Glossar

 

Lexikon für homöopathische Fach-Begriffe
In der folgenden Auflistung finden an Homöopathie Interessierte Kurzdefinitionen homöopathischer Fachbegriffe. Für alle Texte, die in elektronischer Form auf diesen Internetseiten angeboten werden, gilt das Urheberrechtsgesetz (Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte). Einzelne Vervielfätigungen, dürfen alleinig zu privatem und sonstigem eigenen Gebrauch angefertigt werden ( § 53 UrhG ). Jede weitere Nutzung und Verbreitung der Texte ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Urhebers gestattet.

Affektion:Globuli

Synonyme: Einwirkung, Verstimmung, Ergriffenwerden.

Krankmachende Faktoren, die auf den Menschen einwirken, sind nichts Materielles, sondern immer dynamische Affektionen. Die Erkrankung, das verstimmte Lebensprinzip, wird durch die Einwirkung einer künstlichen Krankheits- Affektion ergriffen und dadurch geheilt.

Agens:

Das wirksame Prinzip, der wirksame Faktor. Die Lehre der Homöopathie geht davon aus, dass die Lebenskraft durch den dynamischen, nicht materiellen Einfluss eines krank machenden Agens verstimmt wird.

Alkaloide:

Alkaloide sind natürlich vorkommende alkalische stickstoffhaltige Verbindungen von Pflanzen. Diese sind wichtige Wirkstoffe im homöopathischen Arzneischatz, da sie Giftwirkungen haben und im potenzierten Zustand als Heilmittel wirken können. Bekannte Alkaloide sind z.B. Chinin, Morphin, Solanin oder Strychnin.

Amara:

Pflanzen, die vorwiegend Bitterstoffe enthalten. In der Phytotherapie gebräuchliche Arzneien, die die Funktion der Verdauungsorgane anregen sollen, z.B. Löwenzahn, Wermut, Bitterholz.

Zu Zeiten Hahnemanns wurden die Amara als Tonika für Schwächezustände eingesetzt, die aber die Grundkonstitution der Patienten nicht verbessert haben.

Ansteckung:

Chronische Krankheiten kommen gemäß der Lehre Hahnemanns von dynamischer Ansteckung durch ein chronisches Miasma; durch venerische oder Krätze- Ansteckung bzw. durch Ansteckung mit dem Feigwarzen- Tripper. Der Behandlung einer chronischen Erkrankung muss immer zuerst die Erkundigung einer venerischen Ansteckung vorausgehen. Bestimmte homöopathische Arzneimittel haben die Fähigkeit, vorbeugend gegeben, bei Epidemien Ansteckung zu verhindern.

Antipathisch:

Die antipathische Methode steht schon immer im Gegensatz zur homöopathischen Heilmethode. Antipathisch bedeutet, dass Krankheitssymptome mit einer gegen das Symptom gerichteten Arznei behandelt, z.B. Mohnsaft bei Schmerzen und Schlaflosigkeit. Auf diese Weise wird ein Symptom vordergründig beseitigt, kommt aber in den meisten Fällen in unverminderter Heftigkeit oder schlimmer zurück, wenn nicht die ganze Krankheit durch ein passendes Simile im Sinne Hahnemanns beseitigt wird.

Antipsorisch:

Gegen die Psora oder Krätzkrankheit gerichtet. Im Laufe seiner homöopathischen Forschung hat Hahnemann die Psora als die Grundursache menschlichen Krankseins gefunden. Am Anfang war seine Vorstellung, die psorischen Manifestationen allein mit Sulfur als seinem Hauptantipsorikum zu heilen. Bis zu seinem Tod entdeckte und prüfte er ungefähr fünfzig Arzneien, die nach seiner Erfahrung die Kraft hatten, antipsorisch zu wirken und chronische Krankheiten zu heilen.

Antisyphilitisch:

Gegen die Syphilis gerichtet. Hahnemann sah sich zu seiner Zeit mit einer extrem schwächenden und ineffektiven Therapie der Syphilis durch die herrschende Medizin konfrontiert. Schon in seinem Buch „ Unterricht für Wundärzte über die venerischen Krankheiten“ aus dem Jahr 1792 beschrieb er die Symptome der Syphilis in Abgrenzung zur Gonorrhoe, was damals die Schulmedizin nicht trennte.

Die unkomplizierte, d.h. nicht mit aktiver Psora verwickelte Syphilis behandelte er ausschließlich mit Mercurius solubilis, auch wenn der Schanker oder die Bubonen unterdrückt wurden.

Im ersten Band der „ Chronischen Krankheiten“ gibt er genaue Anweisung für die Therapie der mit Psora verkomplizierte Syphilis.

Apsorisch:

Nicht- psorisch. Dieser Begriff meint Arzneimittel aus der Materia medica, besonders Pflanzen, die bei akuten Krankheiten gut helfen, aber im allgemeinen nicht in der Lage sind, chronische, tiefsitzende psorische Prozesse zu heilen. Beispiele sind : Aconitum, Belladonna, Hyoscyamus, Rhus toxicodendron etc.

Autenriethsche Salbe:

Eine zu Hahnemanns Zeiten gebräuchliche Salbe aus Schwefelleber und Schmierseife, um die Hautkrankheit Krätze zu behandeln.

Balggeschwulst:

Synonym: Grützbeutel, Atherom. Diese Art von gutartigen Geschwülsten vor allem im Kopfbereich wurden durch die von Hahnemann kritisierten Vertreter der „ alten Schule“ herausgeschält. Hahnemann beobachtete viele Patienten, die nach einer solchen Behandlung innerlich schwer krank wurden und schnell verstarben.

Beschwichtigung:

In der Theorie der Entstehung chronischer Krankheiten hat Hahnemann beschrieben, dass bei der Psora, der Sykosis und der Syphilis nach der Ansteckung die Lebenskraft versucht, den Schaden für den Menschen im inneren des Körpers so klein wie möglich zu halten. Dazu lässt sie das so genannte Lokalübel ( Hautausschlag, Kondylom, Schanker ) entstehen, das zwar nicht verhindern kann, dass sich die chronische innere Krankheit ausbreitet; das Lokalübel ist aber nach seinen Beobachtungen in der Lage, die innere Krankheit zu beschwichtigen und ihre Manifestation herauszuzögern.

Blutschwamm:

Synonym: Hämangiom. Eine der vielen Erscheinungsformen, die die Psora auf der Haut hervorbringt.

Bönninghausen:

Freiherr Clemens von Bönninghausen, einer der bekanntesten Schüler Hahnemanns

( 1785 – 1864 ), hat sich um die Weiterentwicklung der homöopathischen Lehre besonders verdient gemacht. Er untersuchte die Arzneimittel im Hinblick auf ihre besonderen Charakteristika und entwickelte daraus ein eigenes Repertorium. Nach Hahnemanns Tod wurde desesn Nachlass von der Familie Bönninghausen übernommen und in Sicherheit verwahrt.

Bräune:
Synonym, alter Begriff für Angina tonsillaris, Halsentzündung mit bräunlicher Verfärbung der Schleimhäute. In den alten Arzneimittellehren findet man diesen Begriff, der allgemein sagt, dass das homöopathische Mittel gegen Halsentzündung gut wirkt.

Charakter:
Das ist die „ Eigenart, die Eigenschaft, das individuelle Gepräge oder das individuelle Wesen.“ In der homöopathischen Medizin bezieht sich das das Wort Charakter nicht primär auf die Eigenschaften eines Menschen, sondern es dient der Beschreibung der Beschaffenheit eines Krankheitsfalles. Ist es zum Beispiel eine Krankheit, die epidemischen Charakter hat, dann ist die Methode der Arzneiwahl eine andere, als wenn ein einzelner Mensch eine spezifische Symptomatik entwickelt. Für die Behandlung von Krankheiten mit epidemischen Charakter gelten die Organon- Paragraphen 103 und 104.

Charakteristisch:
Das ist die eigentümliche, kennzeichnende, unterscheidbare Eigenschaft einer Symptomkonstellation bei Krankheiten. Zum Beispiel ist die Herausfilterung von charakteristischen Zeichen oder Symptomen bei einer Krankheit die Vorbedingung für das Finden der möglichst ähnlichen Arznei, die in der Lage ist, den Krankheitsfall in seiner Gänze zu heben und damit auszulöschen. Die gewählte Arznei repräsentiert somit den Inbegriff der individuellen, sonderlichen und ungewöhnlichen Symptome des Patienten.

Chinarinde:
Synonym für Cinchona officinalis. Die Kritik Hahnemanns an dem Gebrauch der Chinarinde durch seine zeitgenössischen Arztkollegen beruhte darauf, dass die Arznei unkritisch gegeben wurde für alle Arten von Schwächezuständen und Wechselfieber. Er beobachtete, dass sich der Gesundheitszustand der Menschen eher noch mehr verschlechterte und schloss daraus, dass z.B. die Unterdrückung von Wechselfiebern zum Auslöser für noch schwerer zu heilende chronische Siechtume wurde.
Im Jahr 1790 führte Hahnemann seinen berühmten Selbstversuch mit der Chinarinde durch und fing danach an, die Arzneiprüfung am gesunden Menschen zu systematisieren, um die Heilkraft von Pflanzen, Tieren, Mineralien und Metallen neu zu entdecken.

Chirurgie:
Hahnemann räumt in seinem Organon und anderen Schriften der Chirurgie einen ganz klaren Platz in der medizinischen Heilkunst ein. Er nutzt die Methode, um beim Menschen durch mechanische Hilfe von außen die Heilungshindernisse zu beseitigen. Das wären zum Beispiel Einrenkungen von Gelenken, Einrichtung und Schienung von Knochenbrüchen, Blutstillung oder die Adaptation von Wundrändern.
Alle sonstigen Krankheiten ordnete Hahnemann den „nicht-chirurgischen“ zu und postulierte, dass diese Krankheiten nur innerlich durch die Homöopathie zu heilen seien.

Contraria- Prinzip:
Dabei handelt es sich um das der Homöopathie entgegengesetzte Prinzip der Heilung durch das Entgegengesetzte und damit die Heilung durch Unähnliches. Diese Lehre besteht seit dem römischen Arzt Galen von Pergamon, der die Contraria- Methode in die Medizin einführte. Sie besteht seitdem fort, wurde zur Zeit Hahnemanns intensiv praktiziert und in der heutigen Zeit zur Perfektion gebracht.

Diät – diätetisch:
Bei der Behandlung chronischer Krankheiten legte Hahnemann sehr viel Wert auf die Lebensordnung und damit auch auf die Ernährungsweise der Menschen. Neben der homöopathischen Behandlung verordnete er auch eine bestimmte Diät, die nach seinen Angaben den chinesischen Tee, den Kaffee und stark gewürzte Speisen verbot.
Dennoch war ihm bewusst, dass chronische Krankheiten selbst bei dem besten geistigen und körperlich diätetischem Verhalten immer weiter zunahmen und den Menschen bis zum Ende seines Lebens quälten.

Dynamis- die Lebenskraft:
Im gesunden Zustand des Menschen waltet die geistartige, als – den Körper belebende Lebenskraft unumschränkt und hält seine Teile in bewundernswert harmonischem Lebensgang, in Gefühlen und Tätigkeiten ( Paragraph 9 Organon ). Wenn der Körper krank wird, dann ist es die geistartige Verstimmung der Lebenskraft, die die Symptome hervorbringt, sodass die innere Krankheit und die nach außen sichtbaren Symptome ein und dasselbe sind, somit die Sprache der verstimmten Lebenskraft sprechen.

Dynamisierung:
Hahnemann hat die rohen Arzneien dynamisiert ( verdünnt und verschüttelt ), um die geistartigen Kräfte der Arzneien zu entwickeln. Im Laufe seiner Forschungstätigkeit hat er die Verreibung einer gewissen Menge des Ausgangsstoffes mit Milchzucker in mehreren Schritten stundenlang verrieben und daraus die Ausgangsstoffe für die weitere Potenzierung in einer alkoholisch- wässrigen Lösung gewonnen. Nur durch die Dynamisierung der Arzneistoffe kann die Arznei in Resonanz mit der dynamisch verstimmten Lebenskraft treten und über ein physikalisches Wirkprinzip die Selbstheilungskräfte des kranken Organismus wieder in Gang bringen.

Einseitig – auf ein oder wenige Symptome einseitig beschränkter Krankheitszustand:
Hahnemann widmet in seinem Organon der Heilkunst mehrere Paragraphen den so genannten einseitigen Krankheiten ( §§ 172 – 184 ), die er zu den chronischen zählt. Dabei stechen nur einige wenige Hauptsymptome hervor, die das Auffinden einer individuellen Arznei erschweren. Wenn man die Unfähigkeit des Arztes, eine umfassende Anamnese zu erstellen, ausnimmt, dann ist es erforderlich, mit den wenigen Symptomen ein Arzneimittel zu wählen, das diesen am ehesten entspricht. Wird dann eine Zeitlang behandelt, dann zeigen sich bei besserer Lebenskraft neue, aussagekräftigere Symptome, die dann zu einer neuen, präziseren Arzneiwahl herangezogen werden können.

Enantiopathisch:
Synonym für antipathische oder palliative Behandlung, die Hahnemann zu seiner Zeit mit aller Macht kritisierte und bekämpfte. Anhaltende Krankheitssymptome werden von einem Arzneimittel mit entgegengesetzten Symptomen aufgehoben, aber nicht vernichtet, sondern auf eine andere regulatorische Ebene im Körper verschoben. Das hatte zum Ergebnis, dass nach einer kurzen Zeit der Linderung die alten oder etwas abgewandelten Symptome desto schlimmer und destruktiver zurückkamen. Auch die Behandlung mit so genannten Stärkungsmitteln hat letztlich ein ähnliches Ergebnis.

Endemisch:
Das bedeutet, auf eine bestimmte umschriebene Region begrenzt. Hahnemann erwähnte diesen Ausdruck bei der Beschreibung der Wechselfieber, die in manchen Gegenden sporadisch aufflackerten und damit nicht den Charakter einer großen Epidemie annahmen.

Epidemie- epidemisch:
Eine im ganzen Volk verbreitete Krankheit, Seuche, eine ansteckende Erkrankung, die einen großen Teil der Bevölkerung erfasst.
Hahnemann hat in seinem Organon- Paragraphen 73 und 100 – 102 sowie in den chronischen Krankheiten eine Definition der epidemischen Krankheiten gegeben mit Anleitung zu deren Behandlung.
Die Methodik der Arzneiwahl weicht im Fall des epidemischen Heilmittels in einem wichtigen Prinzip ab: gesucht wird die Arznei für eine Krankheit, nicht für den Kranken. Voraussetzung dafür ist, dass ein „ Genius epidemicus „ uniforme Krankheitsbilder prägt, denen individuelle Zeichen und Symptome verloren gegangen sind.

Epileptisch:
Eine Krankheit mit cerebralen Krampfanfällen. Durch die äußere Vertreibung des Lokalsymptoms wie z.B. einem Hautausschlag leitet die Lebenskraft die Krankheitsaktivität auf lebenswichtigere Zentren im Körperinneren um; ein Ergebnis davon sind Konvulsionen, die sistieren, wenn der ursprünglich unterdrückte Hautausschlag wieder hergestellt ist.

Erbschaft:
Übertragung auf die Nachkommen, Heredität. Hahnemann ist in seiner Theorie von den chronischen Krankheiten davon ausgegangen, dass sie durch erworbene Ansteckung entstanden sind. Erst gegen Ende seines Lebens gibt er an verschiedenen Stellen seines Werkes Hinweise darauf, dass Krankheiten auch durch Erbschaft mitgeteilt werden können, bzw. dass die homöopathische Behandlung einer Schwangeren zu einem Schutz vor der psorischen miasmatischen Belastung führen kann.

Feigwarze:
Kondylom, vorwiegend im Genitalbereich lokalisiert. Hahnemann hat in seiner intensiven klinischen Beobachtungsgabe bereits in seiner vor – homöopathischen Zeit die Symptome der Syphilis und des Trippers unterschieden und in seinem Buch „ Unterricht für Wundärzte über die venerischen Krankheiten“ beschrieben.
Die Sykosis ( Feigwarzenkrankheit ) gehört nach Hahnemann neben der Syphilis zu den erworbenen venerischen chronischen Krankheiten, von denen sich der Organismus aus eigener Kraft nicht befreien kann. Die innere miasmatische Krankheit wird sehr aktiviert, wenn ihre äußere Manifestation durch Verätzen der Kondylome oder Unterdrücken des Fluors abgedrängt wird. Grundsätzlich muss nach Hahnemann in der Anamnese einer chronischen Krankheit die Frage nach einem durchgemachten Tripper gestellt werden, um beim therapeutischen Vorgehen zunächst eine spezifisch gegen die Gonorrhoe gerichtete Behandlung vorzunehmen.

Festständig, feststehend:
In sich gleich bleibend, bestimmt. Zu Hahnemanns Zeiten wurden in der alten Pathologie die verschiedensten Krankheitszustände mit demselben Namen belegt und damit auch gleichartig behandelt, obwohl diese Krankheiten bis auf ein Symptom so gut wie nichts miteinander gemein hatten. Hahnemann bezeichnete in seiner Nomenklatur nur ganz wenige Krankheiten als feststehend, nämlich die, die immer aus dem selben Miasma entspringen; das waren vor allem die Menschenpocken, die Masern und die Krätze.

Diese Liste von Fachbegriffen wird nach und nach vervollständigt.