Die Krankheitslehre der Miasmen

 

Hahnemann hatte zu Zeit große Erfolge in der Behandlung akuter Krankheiten mit Hilfe der damals bekannten und erforschten Arzneimittel.

 

Das war für sich genommen schon eine erstaunliche Leistung, da es zu seiner Zeit weder Schmerzmittel noch Antibiotika etc. gab und vielen Menschen an „ banalen“ bakteriellen und viralen Infektionen starben.

Aber diese Resultate waren für Hahnemann nicht genug. Er erkannte, dass viele Menschen an wiederkehrenden, hartnäckigen Symptomen litten, die vordergründig wie eine akute Erkrankung aussahen, aber durch die bis dahin bekannten homöopathischen Arzneien nicht behandelbar waren.

 

Er vermutete hinter diesen Prozessen chronische Krankheiten, die sich von Fall zu Fall mit einem anderen Gesicht zeigten. Chronisch bedeutet in diesem Zusammenhang nicht eine gewisse Zeitdauer der Krankheit, sondern eine hartnäckige Symptomatik, mit der der Mensch nicht aus eigener Kraft fertig werden kann.

 

Folgende Tatsachen ließen ihn im Einzelfall eine chronische Krankheit vermuten:

 

– Die Krankheitsentwicklung über die Jahre
– Wiederkehrende Symptome, nicht heilbar mit den bekannten Arzneimitteln
– Unterdrückende Behandlungen (Salben, Operationen, Verätzungen, Ausschälen von Wucherungen, etc.)
– Impfungen
– Lange dauernde Infekte
– Inadäquate Ernährungs- und Lebensweise
– Chronische seelische Konflikte
– Schwere Krankheiten bei den Vorfahren.

 

Hahnemann und seine homöopathisch arbeitenden ärztlichen Kollegen im 19. Jahrhundert entwickelten folgende Vorgehensweise:

 

Sie erforschten beim Patienten alle in seinem bisherigen Leben aufgetretenen Krankheiten; dazu gehörten alle Kinderkrankheiten, alle erworbenen schweren Infektionen und Geschlechtskrankheiten, Schäden durch Medikamente, psychische und physische Traumen.

 

Das Neue an ihrer Vorgehensweise war, dass sie besonders auch den Krankheiten der Vorfahren besondere Aufmerksamkeit schenkten und damit definierten, dass Krankheiten häufig ererbt sind. Aus der Gesamtheit der Symptome des Patienten ergaben sich dann ganz andere, viel tiefer greifende Arzneimittel, die in der Lage waren, die Krankheit in ihrem ganzen Umfang hinwegzunehmen und damit den Patienten wirklich zu heilen.

 

Die Krankheitslehre der Miasmen

Das chronische Miasma ist im homöopathischen Sinne die Definition für verschiedene chronische Krankheiten, die

 

  • entweder durch Vererbung von Beginn des Lebens an vorhanden sind und sich im Laufe des Lebens zeigen
  • oder durch Ansteckung ( Tuberkulose, Malaria, Syphilis, Gonorrhoe oder Krätze ) beginnen und dem Organismus ein chronisches Krankheitsgeschehen aufzwingen.

 

Im modernen Sprachgebrauch kann man diese Störungen mit einem Computervirus vergleichen, der die Festplatte befallen hat: der Computer reagiert falsch, kann sich aber von selbst nicht mehr von der Störung befreien.

 

So ähnlich ist es mit den chronischen Miasmen, die je nach Stärke der individuellen Lebenskraft den Organismus befallen und hartnäckige Symptome auf seelisch-geistiger und körperlicher Ebene entwickeln. Die körpereigenen Selbstheilungskräfte können die Erkrankung allenfalls in Schach halten, sie aber aus eigener Kraft nicht ausheilen.

 

Konsequenzen für die homöopathische Therapie

Das Erkennen der Miasmen und ihrer spezifischen Dynamik ist für den homöopathisch – miasmatisch arbeitenden Arzt sehr wichtig.

 

Folgende Miasmen werden unterschieden:

– Psora
– Erworbene / ererbte Sykose
– Erworbene / ererbte Syphilis
– Tuberkulose
– Krebs
– Vakzinose ( Impfkrankheit ).

 

Jedes so genannte Miasma macht sich beim chronisch kranken Kind oder Erwachsenen durch ein bestimmtes Mosaik an zueinander passenden Symptomen bemerkbar.

 

Für diese Behandlungsmethode ist der Arzt oder Heilpraktiker daher darauf angewiesen, von den Patienten ausführliche Informationen über die individuelle Krankheitsgeschichte und vor allem auch die detaillierte Beschreibung der Krankheiten ihrer Herkunftsfamilie väterlicher- und mütterlicherseits zu erhalten.

Nur dann kann er sich ein umfassendes Bild über die Krankheits- Dynamik machen, die oft genug nicht im eigenen Leben, sondern schon mehrere Generationen zurück beginnt.