Das Ähnlichkeitsprinzip Hahnemanns und seine geschichtlichen Vorläufer

 

„ Wähle, um sanft, schnell, gewiss und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfalle eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden für sich erregen kann, als sie heilen soll.“ (Hahnemann, Org. 6, Einleitung).

 

Die Erkenntnis von der Heilkraft des Ähnlichen ist der eigentliche Grundsatz der Homöopathie, entstand aber viel früher und gehört vermutlich zu dem ältesten Wissen der Menschheit.

 

In der Vergangenheit in alten Aufzeichnungen fand Hahnemann immer wieder Hinweise für Heilungen im Sinne der Homöopathie, bei denen eher zufällig nach dem Ähnlichkeitsprinzip gehandelt wurde. Es gab da schon unzählige Hinweise und Winke auf das Hahnemann´sche Heilprinzip, es wurde aber vor ihm nie systematisiert.

 

Die Vorläufer Hahnemanns gehen zurück auf die Kulturvölker des Altertums, und auch in der Volksheilkunde der europäischen Völker und der Indianer findet man Anklänge an das Ähnlichkeitsprinzip.

 

Im alten Ägypten galt eine Vorschrift, nach der man bei Schädelwunden die Stelle mit einem Öl einreiben sollte, in dem sich der Panzer einer Schilldkröte und Krallen eines Falken befinden. So sollte der Schädel wieder hart und widerstandsfähig werden.

 

Wenn ein Indianer die Federn eines von ihm erlegten Adlers trägt, dann schwingt dabei die magische Vorstellung mit, dass dieses Tragen der Federn die Eigenschaften des Adlers (Scharfsicht und Schnelligkeit ) auf ihn überträgt.

 

Die primitiven Völker schütteten einen Krug mit Wasser auf die trockenen Felder, um zu bewirken, dass auch in der Natur ähnliches geschehen mag.

 

Oder sie hängten an einen fruchtbaren Baum das Kleid einer Frau, die viele Kinder geboren hat. Ein Vater gibt seinem stummen Sohn Wasser zu trinken, aus dem vorher eine Nachtigall getrunken hatte. Auf diese Weise sollte auch der Sohn seine Stimme zurückerhalten.

 

Die Triebfeder für diese Art von Ritualen ist ein Kausalitätsbedürfnis auf niederer Stufe, eine Strategie, mit den überwältigenden Phänomenen der Natur und der Not der Menschen fertig zu werden.

 

Die Heilkunde des Paracelsus im Mittelalter umfasste schon systematisch die so genannte Signaturenlehre, bei der das Aussehen einer Pflanze, seine Form oder die Farbe seine Blüten und Säfte krankhafte Prozesse im Körper des Menschen übertragen wurde ( eine Distel mit ihren Stacheln gegen innere stechende Schmerzen ).

 

Auch Linné, der berühmte Botaniker im 18. Jahrhundert bringt die Farbe der Pflanzen in Verbindung mit Körperprozessen oder – Organen ( Gelb für die Gallenleiden ).

 

Die Praxis, den eigenen Harn gegen Krankheiten einzunehmen oder das Fleisch von Schlangen zu essen, um die Gifte zu neutralisieren, reicht nun schon in den Bereich der bis heute praktizierten „ Isopathie“ hinein, bei der die Anschauung dahintersteht, dass jedes Gift sein eigenes Gegengift enthalte. Das griechische Wort „ Pharmakon“ bedeutet sowohl „Gift“ als auch „Heilmittel“.

 

So handelte es sich in früheren Zeiten meistens um oberflächliche Annäherungen an das Hahnemannsche Simile – Prinzip im Einzelfall ohne eine systematische Untersuchung dieser Phänomene.

 

Der authentische Hahnemannsche Similegedanke repräsentiert die Systematik und Akribie eines genialen wissenschaftlichen Arztes und Forschers, dem es gelungen ist, den genauen Vergleich von Krankheitserscheinungen mit denen der Arzneisubstanz anzustellen und damit den Grundstein für die bis heute stattfindende Sammlung homöopathisch wirksamer Arzneimittel zu legen.